
Prüfung von Blitzschutzanlagen
Eine Blitzschutzanlage (Blitzschutzsystem / LPS) dient dem Schutz von Personen und baulichen Anlagen vor den Auswirkungen direkter Blitzeinwirkungen sowie der Reduzierung von Folgeschäden (z. B. Brand, gefährliche Funkenbildung, Schäden an elektrischen/elektronischen Systemen).
Das Gesamtsystem umfasst den äußeren Blitzschutz (Fangeinrichtungen, Ableitungen, Erdungsanlage) und den inneren Blitzschutz (Potentialausgleich, Einhaltung von Trennungsabständen, koordinierte Maßnahmen zur Begrenzung von Überspannungen).
Grundlage sind die Anforderungen der DIN EN 62305 (VDE 0185-305).
ING-CERT prüft Blitzschutzanlagen für Sicherheit, Normkonformität und nachvollziehbare Dokumentation – für Betreiber, Versicherer und Behörden. Sie erhalten einen klaren Prüfbericht mit Messergebnissen, Mängelbewertung und konkreten Empfehlungen.
Warum ist die Prüfung wichtig?
Ein Blitzschutzsystem funktioniert nur zuverlässig, wenn es korrekt ausgeführt, intakt und regelmäßig geprüft ist. Korrosion, lockere Verbindungen, bauliche Änderungen oder nachträgliche Installationen können die Schutzwirkung deutlich reduzieren.
Typische Anlässe für eine Prüfung
- Wiederkehrende Prüfung gemäß Betreiberpflichten / Risikomanagement
- Nach Umbauten, Dacharbeiten, PV-Anlagen, Klimageräten, neuen Leitungswegen
- Nach bekanntem Blitzeinfluss oder vermuteten Schäden
- Vor Übergabe, Objektkauf oder Versicherungsfragen
Was wird geprüft?
Äußerer Blitzschutz (LPS außen)
- Fangeinrichtungen (z. B. Fangstangen, Fangseile, Dachleitungen)
- Ableitungen (Leiterführung, Befestigungen, Zustand)
- Erdungsanlage / Erderanschlüsse (zugängliche Teile, Korrosionszustand)
Innerer Blitzschutz (LPS innen)
- Blitzschutz-Potentialausgleich (Einbindung metallener Systeme)
- Bewertung von Trennungsabständen / Gefahr von Überschlägen
- Schnittstellen zu Überspannungsschutz (SPDs) – soweit prüf- und bewertbar
Wann ist eine Prüfung Sinvoll oder erforderlich?
Die sinnvollen Intervalle hängen u. a. von Schutzklasse, Umgebungsbedingungen (Korrosion), Material, Objektart und Änderungen am Gebäude ab. Als praxisnahe Orientierung gilt häufig:
- Jährliche Sichtprüfung
- Umfassende Prüfung alle 2–4 Jahre
- Zusätzliche Prüfung nach Umbauten, Dacharbeiten, Installation von PV-Anlagen, Klima-/Lüftungsanlagen oder Antennen
- Nach bekanntem Blitzeinfluss oder Verdacht auf Blitz-/Überspannungsschäden
- Vor Übergaben, Objektkauf oder bei Versicherungsanforderungen
(Hinweis: Abweichende behördliche/vertragliche Vorgaben haben Vorrang.)
Wie läuft die Prüfung ab?
1) Dokumentenprüfung
- Abgleich vorhandener Unterlagen mit dem Ist-Zustand
- Plausibilitätsprüfung von Schutzkonzept, Ausführung und Änderungen
2) Sichtprüfung vor Ort
- Zustand von Fangeinrichtungen, Ableitungen, Verbindungen und Befestigungen
- Kontrolle auf Korrosion und mechanische Schäden
- Prüfung von Anschlussstellen und Übergängen
- Bewertung der Einbindung metallener Systeme / Potentialausgleich und kritischer Abstände (objektabhängig)
3) Messungen (objektabhängig)
- Durchgängigkeit von Leitern/Verbindungen (Niederohm/Durchgang)
- Erdungsmessungen und Bewertung der Erdungsanlage
- Dokumentation aller Messwerte und Abweichungen im Prüfbericht
Was steht im Prüfbericht?
Der Prüfbericht dient als Nachweis gegenüber Betreiber, Versicherer und Behörden und enthält üblicherweise:
- Objekt-/Anlagendaten (Adresse, Anlagenteile, ggf. Schutzklasse/Umfang)
- Prüfumfang (Dokumentenprüfung, Sichtprüfung, Messungen)
- Feststellungen je Anlagenteil (Fangeinrichtungen, Ableitungen, Erdungsanlage, Potentialausgleich/innerer Blitzschutz – soweit prüfbar)
- Messwerte (z. B. Durchgängigkeit/Niederohm, Erdungsmessungen – objektabhängig)
- Mängelliste mit Priorisierung und Handlungsempfehlungen
- Hinweise zu Prüfintervallen und zu prüf-/wartungsrelevanten Umgebungsbedingungen
Kontakt
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