Wirkprinzipprüfung (WPP) in NRW

Prüfung des gewerkeübergreifenden Zusammenwirkens sicherheitstechnischer Anlagen.

 

Brandmeldeanlage, Alarmierung, Rauchabzug, Aufzüge, Türen und Lüftung müssen im Brandfall zuverlässig zusammenspielen. Ob sie das tatsächlich tun, zeigt erst die Wirk-Prinzip-Prüfung (WPP) – in der VDI 6010 Blatt 3 als Vollprobetest beschrieben.

 

ING-CERT prüft das Zusammenwirken als unabhängiger Sachverständiger und anerkannter Prüfsachverständiger – bei Erstprüfung, nach Änderungen und wiederkehrend, in NRW und bundesweit.

Ablauf der Wirkprinzipprüfung in 5 Schritten: Prüfgrundlage, Prüforganisation, Prüfvorbereitung, Durchführung, Bewertung und Bericht

© ING-CERT  Ingenieur- und Sachverständigenbüro

Wann ist eine Wirkprinzipprüfung fällig?

Vor der ersten Inbetriebnahme

Teil der Erstprüfung der sicherheitstechnischen Anlagen vor der ersten Inbetriebnahme. Veranlasst durch den Bauherrn.

Wiederkehrend nach PrüfVO NRW

Teil jeder wiederkehrenden Prüfung nach PrüfVO NRW – bei Brandmelde- und Alarmierungsanlagen spätestens alle drei Jahre. Veranlasst durch den Betreiber.

Nach wesentlichen Änderungen

Teil der Prüfung vor der Wiederinbetriebnahme, z. B. nach Umbau, Nutzungsänderung oder geänderter Brandfallsteuerung. Veranlasst durch den Bauherrn.

Sicherheitstechnische Anlagen mit Rohrleitungen und Ansteuerung in einer Technikzentrale

Wirkprinzipprüfung: Grundlagen und Ablauf

 

 

Rechtliche und normative Grundlagen

Die Durchführung der Wirk-Prinzip-Prüfung erfolgt auf Grundlage von:

  • PrüfVO NRW
  • Prüfgrundsätze NRW
  • VDI 6010 Blatt 3 (Ausgabe 2020) – Sicherheitstechnische Anlagen und Einrichtungen für Gebäude – Vollprobetest
  • Bauordnung und Sonderbauvorschriften
  • Baugenehmigung und Brandschutznachweis
  • eingeführte Technische Baubestimmungen (ETB)

Die Wirk-Prinzip-Prüfung entspricht der in der Muster-Prüfverordnung beschriebenen Prüfung der Gesamtfunktion sicherheitstechnischer Anlagen.

 

Ziel der Wirkprinzipprüfung

Ziel der Wirk-Prinzip-Prüfung ist die Beurteilung, ob:

  • die bauordnungsrechtlich geforderten Schutzziele erreicht werden,
  • die sicherheitstechnischen Anlagen ordnungsgemäß zusammenwirken,
  • die vorgesehenen Auslöse-, Steuer- und Alarmierungsfunktionen korrekt ablaufen,
  • die Anlage auch bei Störungen oder besonderen Betriebszuständen wirksam bleibt.

Im Fokus steht nicht die Einzelkomponente, sondern die Gesamtfunktion des Systems.

 

Welche Anlagen werden geprüft?

Geprüft wird das Zusammenwirken aller beteiligten sicherheitstechnischen Anlagen, z. B.:

  • Brandmeldeanlagen (BMA)
  • Sprachalarmanlagen (SAA) / Alarmierungsanlagen
  • Elektroakustische Notfallwarnsysteme (ENS), sofern Bestandteil des Sicherheitskonzeptes
  • Rauch- und Wärmeabzugsanlagen
  • Sicherheitsstromversorgung
  • Aufzugsanlagen (Brandfallsteuerung)
  • Türen, Tore, Abschlüsse
  • Gebäudeautomation und übergeordnete Steuerungen

Die Prüfung erfolgt anhand definierter Auslöse- und Prüfszenarien.

 

Ablauf der Prüfung nach VDI 6010 (Vollprobetest)

Die Wirk-Prinzip-Prüfung ist eine gewerkeübergreifende Funktionsprüfung, bei der:

  • eine Quelle (z. B. Brandmeldung) ausgelöst wird,
  • alle zugehörigen Senken (z. B. Alarmierung, Abschaltungen, Steuerungen) geprüft werden,
  • die Soll-Funktionen aus Brandschutz- und Alarmierungskonzept nachvollzogen werden.

Die Prüfung erfolgt auf Basis einer Prüfanleitung mit Prüfplänen, die u. a. enthalten:

  • Prüfszenarien
  • Auslösebereiche und Auslösemuster
  • zu prüfende Funktionen und Betriebszustände
  • Prüfbedingungen (z. B. Normalbetrieb, Sicherheitsstromversorgung)

Voraussetzungen für die Wirkprinzipprüfung

Vor Durchführung der Wirk-Prinzip-Prüfung müssen vorliegen:

  • erfolgreiche Prüfungen der Teilsysteme
  • vollständige Anlagendokumentation
  • geprüfter Brandschutznachweis
  • Alarmierungskonzept
  • Brandfallsteuermatrix nach VDI 6010 Blatt 1
  • Funktions- und Schnittstellenbeschreibungen

Die Wirk-Prinzip-Prüfung ersetzt nicht die Einzelprüfung der Anlagen, sondern baut auf diesen auf.

 

Prüfbericht

Über die Wirk-Prinzip-Prüfung wird ein Prüfbericht gemäß Prüfgrundsätzen erstellt. Dieser enthält u. a.:

  • Angaben zum Objekt und Auftraggeber
  • Art und Umfang der Prüfung
  • geprüfte Anlagen und Szenarien
  • Bewertung der Wirksamkeit und Betriebssicherheit
  • festgestellte Mängel mit Fristen
  • fachliche Einschätzung zum Weiterbetrieb

Der Prüfbericht dient als Nachweis gegenüber Bauaufsicht, Betreiber und Versicherern.

 

Wirkprinzipprüfung anfragen

Gerne beraten wir Sie in NRW und bundesweit zur Wirkprinzipprüfung – kontaktieren Sie uns für ein unverbindliches Angebot.

Gaslöschanlage mit Löschmittelbehältern – eingebunden in die Brandfallsteuerung
Bedienstelle für die maschinelle Entrauchung – Teil der Wirkprinzipprüfung

So läuft die Prüfung ab

1. Anfrage

Sie senden uns Brandschutzkonzept und Brandfallsteuermatrix und erhalten ein Angebot. Wir vereinbaren mit Ihnen einen Prüftermin.

2. Prüfung vor Ort

Wir lösen festgelegte Prüfszenarien aus und prüfen, ob Brandmeldeanlage, Alarmierung, Rauchabzug, Aufzüge, Türen und Lüftung so reagieren, wie es die Brandfallsteuermatrix vorgibt.

3. Prüfbericht

Sie erhalten einen Prüfbericht mit der Bewertung der Wirksamkeit und Betriebssicherheit des Zusammenwirkens sowie festgestellter Mängel mit Fristen.

Häufige Fragen zur Wirkprinzipprüfung

Antworten für Betreiber, Bauherren und Errichter

Was ist der Unterschied zwischen Wirkprinzipprüfung und Vollprobetest?

Die Begriffe werden oft gleichbedeutend verwendet. Die Wirkprinzipprüfung bezeichnet die Prüfung des bestimmungsgemäßen Zusammenwirkens der sicherheitstechnischen Anlagen. Der Vollprobetest nach VDI 6010 Blatt 3 beschreibt, wie diese Prüfung organisiert, durchgeführt und dokumentiert wird.
 

Wer darf eine Wirkprinzipprüfung durchführen?

Bei bauordnungsrechtlich geforderten Prüfungen ein Prüfsachverständiger, der unabhängig von Planung, Errichtung und Wartung der Anlagen ist. Er koordiniert die Prüfung und bewertet das Ergebnis.
 

Was ist eine Brandfallsteuermatrix?

Eine tabellarische Übersicht, welches Ereignis (z. B. die Auslösung eines Melders in Brandabschnitt 2) welche Reaktionen der anderen Anlagen auslöst. Sie ist die Sollvorgabe, gegen die bei der Wirkprinzipprüfung geprüft wird. Grundlage für die Erstellung ist VDI 6010 Blatt 1.
 

Wie lange dauert eine Wirkprinzipprüfung?

Das hängt von der Anzahl der Brandabschnitte, Szenarien und Anlagen ab. Kleinere Objekte sind oft an einem Tag geprüft, große Sonderbauten wie Kliniken benötigen mehrere Prüftage. Eine gute Vorbereitung verkürzt die Prüfzeit deutlich.
 

Was passiert, wenn Anlagen nicht richtig zusammenwirken?

Abweichungen werden im Prüfbericht dokumentiert und bewertet. Häufige Ursachen sind fehlerhafte Programmierungen, fehlende Ansteuerungen oder nicht aktualisierte Steuermatrizen nach Umbauten. Nach der Mängelbeseitigung werden die betroffenen Szenarien erneut geprüft.
 

Was kostet eine Wirkprinzipprüfung?

Die Kosten richten sich nach Gebäudegröße, Anzahl der Anlagen, Brandabschnitte und Prüfszenarien. Senden Sie uns Brandschutzkonzept und Steuermatrix – Sie erhalten ein verbindliches Angebot.
 

Kann die Wirkprinzipprüfung mit der Prüfung der Brandmeldeanlage kombiniert werden?

Ja. Wenn ING-CERT auch die Brandmelde- und Alarmierungsanlage prüft, lassen sich die Termine bündeln. Das spart Aufwand für Betreiber und Errichterfirmen.

Sie benötigen eine Prüfung?

Wir vereinbaren mit Ihnen einen Prüftermin – in NRW und bundesweit.

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